Dienstag Nachmittag – die fertige Präsentation per mail versendet und ab ins Auto. Ich fahre von der Arbeit direkt Janina abholen. Gegen 20 Uhr treffen wir uns mit Freunden in Frankfurt, wo wir auf einer Geburtstagsfeier eines Großglocknersbesteigers eingeladen sind. Es wird gegrillt und bei kühlem Bier haben wir uns viel zu erzähen. Ein halbes Jahr haben wir uns nicht mehr gesehen…. gegen Mitternacht fallen wir müde ins Bett. Die nächste Woche verbringen wir auf dem Stubaier Höhenweg – 120 KM, 8670 Höhenmeter haben wir in den nächsten 7 Tagen vor uns. Gnadenlos klingelt gegen 6 Uhr der Wecker. Wir müssen von Frankfurt heute noch nach Neustift im Stubaital fahren, etwas Verpflegung einkaufen und 3 Stunden aufsteigen.
1. Tag: Neustift – Starkenburger Hütte – (3,5 KM, 700 Höhenmeter, 3 Stunden)
Nach der langen Fahrt fällt uns der Aufstieg sehr schwer… aber bei herrlichem Sonnenschein erreichen wir nach 3 Stunden die Starkenburger Hütte. Der Hüttenwirt ist nicht gut gelaunt und wenig hilfsbereit. Wir essen zu Abend und fallen früh ins Bett – morgen wartet ein langer Tag auf dem Stubaier Höhenweg auf uns.
2. Tag: Starkenburger Hütte – Neue Regensburger Hütte (23 KM, 2000 Höhenmeter, 10 Stunden)
Gegen 5:30 Uhr klingelt der Wecker da heute ein langer Tag auf uns wartet. Wir wollen heute zwei Tagesetappen zusammenlegen und gehen sehr früh ohne Frühstück los. Wir werden mit einem wunderschönen Sonnenaufgang belohnt und beeindruckenden Lichtverhältnissen. Wir wandern erst durch ein Stein- und Schotterfeld welches im Schatten der Kalkkögeln liegt. Etwas später wandern wir über einen wunderschönen Pfad durch ein Wiesen- und Blumenmeer. Wir sehen Schafe (die uns den ganzen H
öhenweg beleiten werden) und kleine Murmeltiere, die vor Ihrem Bau miteinander spielen. Nach ca. 3 Stunden erreichen wir die Seduck Hochalm, wo es erstmal unser mitgebrachtes Frühstück und eine leckere Apfelschorle gegen den Durst gibt. Nach einer langen Pause folgen wir gestärkt den Weg zur Franz-Senn-Hütte die wir gegen 12 Uhr erreichen. Wir bestellen uns eine leckere Knödelsuppe zum Mittagessen und geniessen die Sonnenstrahlen und die Gespräche mit den anderen Wanderern. In dieser Saison arbeitet ein Sherpa auf der Hütte – es gab Bilder und bekannte Souvenirs aus Nepal zu kaufen. Nach ca. 1 Stunde Mittagspause folgten wir dem Weg in das weite Hochtal des Kuhgschwez hinein. Der Pfad gewinnt allmählich an Höhe und wird später richtig Steil. In Serpentinen und über große Gesteinsbrocken beginnt unsere letzte Steigung an diesem Tag. Der Gipfel ist erreicht und nun wander wir nur noch bergab zur Regensburger Hütte, die an einem gewaltigen Wasserfall liegt. Endlich nach gut 10 Stunden Fußmarsch haben wir unser Ziel erreicht.
3. Tag: Neue Regensburger Hütte – Dresdner Hütte (12 KM, 1.750 Höhenmeter, 6 Stunden)
Der Tag auf dem Stubaier Höhenweg beginnt mit einem kleinen Schock – Nepel, Regen und als ob das nicht schlimm genug ist sollen Mittags auch noch Gewitter aufziehen. Wir Frühstücken erstmal gemütlich und diskutieren unsere Optionen. Bei Nebel und Gewitter sollten wir nicht im Hochgebirge insb. im Anstieg auf den Grawa
grubennieder stecken. Gut 95 % der Hütte steigt ins Tal ab… Janina und Volker warten etwas – das Wetter wird aber nicht besser. Wir treffen eine Entscheidung – wir gehen die zwei Stunden bis zur Schlüsselstelle dieser Etappe – der Anstieg auf den Grawagrubennieder – und sollte das Wetter schlechter werden bzw. Gewitter aufziehen kehren wir zu Hütte um. Ins Tal absteigen – NEIN das machen wir nicht! Zum Glück ist Janinas Bruder Metrologe und versorgt und mit der Analyse der aktuellen Radarbilder. Ca. 160 KM von uns entfernt tobt das Unwetter. Diese Wetterprognose untermauert unsere Entschedung und wir beginnen diese Etappe gegen 8:30 Uhr. Wir benötigen gut 1,5 Stunden entlang der Ebene „Hohes Moos“ – welche wir leider durch den dichten Nebel kaum sehen können. An der Schlüsselstelle angekommen – erhalten wir die nächste Nachricht – 130 KM ist die Gewitterfront weg – evtl. erreichen euch nur ein paar Ausläufer. Also beginnen wir den Aufstieg durch das Schneefeld und lassen die Kletterpassage nach ca. 30 Minuten hinter uns. Der Weg führt durch steile Felsrippen, die durch den dichter werdenden
N
ebel ein mystisches Bild abgeben. Kurz vor dem Mutterberger See passiert es dann – Volker gerät ins stolpern und stürzt genau mit dem Knie auf einen Stein. Die gute Mammut Base Pants ist komplett eingerissen – das Knie blutet und hat ne dicke Schramme abbekommen… wir legen eine Pause ein – die Wunde reinige ich mit Wasser uns verbinde diese. So langsam merken wir die Ausläufer des Gewitters – es beginnt zu nieseln und wir wandern auf dem Stubaier Höhenweg immer zügiger Richtung Dresdner Hütte. Nach dem letzten Aufstieg über den Egesengrat sehen wir endlich die Hütte. Noch 5 Minuten zu laufen und plötzlich – von jetzt auf gleich – Platzregen… wir laufen mit unseren schwere Rucksäcken zur Hütte – werden aber trotzdem pitsch nass. Die Dresdner Hütte liegt mitten im Skigebiet und ist eher ein Hotel. großzügige Lager, Sauna und heiße Duschen – die Essensausgabe erinnert an eine Kantine … keine Hütte die dem mySUMMIT Team gefällt. Jedoch möchte ich die Gulaschsuppe loben – sehr lecker. Den Abend verbrachten wir mit Kniffeln – den Volker als Kniffelkönig gewann (leider auch nur an diesem Abend
).
4. Tag: Dresdner Hütte - Nürnberger Hütte (9 KM, 2.100 Höhenmeter, 7 Stunden)

Juchuuu endlich können wir heute ausschlafen, da heute unsere Freunde aus Frankfurt zu uns stossen. Gegen 9 Uhr wollen Sie an der Dresdner Hütte sein – pünktlich sind Sie ja – aber die Sonne ist nict im Gepäck – im Gegenteil es schneit! Ja es schneit… und ich habe nur noch ne kurze Hose *brrrr* Wir freuen uns das wir den weiteren Stubaier Höhenweg gemeinsam wandern werden – aber erstmal Frühstücken wir gemeinsam. mhhh leckere Schoko-Croisant aus dem Tal. Ganz gemütlich wandern wir gegen 10 Uhr los – dicke Flocken fallen vom Himmel und Wind kommt auf. Über rutschige, verschneite Geröllhalden steigen wir zum Peiljoch auf. Der Wind wird immer stärker und das Schneetreiben dichter. Auf dem Peiljoch angekommen, wartet ein wunderschönes Bild auf uns. Hunderte Stoanerne Mandln leicht mit Schnee bedeckt tauchen geheimnisvoll aus dem Nebel auf. Gigantisch, mystisch – einfach atemberaubend – ich habe ein Dejavu – hier sieht es aus wie in Nepal… (die mySUMMIT Tour 2009).
In
Serpentinen geht es über eine Eismoräne des Sulzenaugetschers zur Sulzenauhütte. Hier kommen wir nach ca. 3 Stunden an – endlich aufwärmen, Tee trinken und Mittagessen. Es gibt leckeren Leberkäse mit Bratkartoffeln und Salat….. hier müssen wir uns leider von der Wandergruppe aus Norddeutschland verabschieden, die wir unterwegs kennengelernt haben… wir wollen ja noch weiter bis zur Nürnberger Hütte. Durch den Schneefall können wir leider wieder keinen Gipfel besteigen, so dass wir die 4 Stunden zur Nürnberger Hütte recht zügig wandern. Am Abend spielen wir zusammen das Gesellschaftsspiel „Spiel des Lebens“ – welches Volker dank einer großzügigen Spende von 50.000 € gewinnt
.
5. Tag: Nürnberger Hütte – Bremer Hütte (5 KM, 1.050 Höhenmeter, 4 Stunden)
Das Wetter verspricht keine Besserung. Immer wieder Schneefall, Nebel – kein schöner Tag zum wandern. Wir wünschen uns, das wir den Stubaier Höhenweg endlich wieder bei Sonne geniessen können. Heute liegt eine eindrucksvolle Etappe vor uns – überall kann an in der Landschaft erkennen – wie der G
letscher seine Spuren im laufe der Jahrhunderte hinterlassen hat…. wir hätten es sehen sollen – aber wir hatten ja nur Nebel und Schneefall *kopfschüttel*. Der höchste Punkt dieser Etappe liegt auf 2.754 m – die Zollhütte am Simmingjöchl. Von dort gelangen wir innerhalb einer guten Stunde zur schönsten Hütte auf dem Stubaier Höhenweg – die Bremer Hütte. Wir richten unsere Lager ein und essen erstmal gemütlich zu Mittag. Felix, Janina und Volker möchten trotz der schlechten Wetterbedingungen die 3.070 m hohe Äußere Wetterspitze besteigen. Beim Aufstieg müssen wir selber Spuren im Schnee – der Weg ist nicht zusehen. Nach ca. 30 Minuten sind wir am Fels angekommen – leichte Kletterei beginnt. Die Nebelfelder reißen immer wieder auf, so dass wir weit genug sehen können. Der Schnee und der nasse Stein machen uns schon eher nachdenklich. Nach 30 Minuten Kletterei brechen wir ab. Es wird einfach zu gefährlich. Gemeinsam steigen wir ab – treffen unterwegs weitere Gipfelstürmer - die nach meiner Empfehlung auch absteigen. Den Abend verbringen wir mit Kartenspielen und Kniffeln. Besonders der Lammbraten ist auf der Bremer Hütte zu empfehlen
6. Tag: Bremer Hütte - Insbrucker Hütte (9,5 KM, 1.650 Höhenmeter, 7 Stunden)
Eine anspruchsvolle Etappe wartet auf dem Stubaier Höhenweg auf uns. Leider spielt das Wetter immer noch nicht mit – wir entscheiden uns jedoch direkt hinter der Bremer Hütte über den Klettersteig zu gehen – das spart mindestens 200 Höhenmeter an diesem Tag. Alles klappt bestens – dann kommen wir an eine Schlüsselstelle des Klettersteigs. Ein Abstieg durch einen 30 Meter tiefen Risskamin folgt. Felix klettert als erstes, dann di
e Mädels hinterher… Volker steht mit dem Rücken ins Tal am Abgrund vor dem Einstieg in den Kamin und wartet. Plörtlich verliere ich das Gleichgewicht, merke wie mein ca. 15 KG schwerer Rucksack mich in die Tiefe zieht. Sofort reagiere ich, schmeisse mich nach vorne „Richtung Berg“ und kann so gerade mich abfangen. Den Sturz ins Tals hätte ich nicht überlebt… da haben meine Schutzengel heute aufgepasst – DANKE! Nach dieser Schlüsselstelle ist ist der Weg eines – lang! Immer weiter bergauf – bergab folgen wir Stundenlang dem Wiesenpfad. Immer wieder verlieren wir 200 Höhenmeter – die sofort beim nächsten Anstieg wieder erklimmt werden. Dann endlich nach gut 6 Stunden erreichen wir den Ostgrat des Habichts und die Insbrucker Hütte kommt ins Bild. Die Hütte erreichen wir nach gut 45 Minuten wandern. Die letzte Hütte des Stubaier Höhenweg ist erreicht. Glücklich fallen wir uns in die Arme – es ist vollbracht! 120 KM, 8760 Höhenmeter stecken uns in den Knochen - Sonne, Schnee, Regen und Nebel – eine besondere Woche neigt sich dem Ende. Den Hüttenabend verbingen wir gemeinsam mit unseren Wegegleitern aus dem Harz und Tobi und Berit! Ich hoffe wir sehen uns bald in Kölle auf ein Kölsch!!! Am nächsten Morgen wachen wir wieder auf und was glaubt Ihr welches Wetter herrscht……. genau Schneefall!!!!!!!!
Am Ende der Woche empfinde ich… Wohlbefinden - das seltene Gefühl in sich selbst zu ruhen, den Körper und die Seele als Zuhause zu empfinden….
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